Das Fasten führt zur Dienerschaft und Dankbarkeit

Vorab ist zu erwähnen, dass wir zuallererst deshalb Fasten, weil Gott es vorgeschrieben hat und wir somit seine Zuneigung, seine Liebe, seine Nähe spüren wollen und seinen Wohlgefallen erlangen möchten. Die positiven Resultate und die geistige Erziehung, die die Muslime durch das Fasten im Monat Ramadan erteilt bekommen, ist seiner Barmherzigkeit zu verdanken, indem der Muslim sich durch das Fasten körperlich ausgeglichener fühlt und geistig geläutert wird. Letztendlich profitieren wir Menschen davon. Der Schöpfer braucht das Fasten nicht, sondern wir Menschen.

 

Dieser Fastenmonat ist ein Monat der Barmherzigkeit. In diesem Monat bekommen wir mehr als denn je Vergebung für unsere Sünden. Jede Sünde ist eine spirituelle Belastung für die Seele. Es ist ein schwarzer Punkt auf unserem Herzen, die uns vom Schöpfer entfernt. Es ist eine Verfehlung des Ziels. Das Ziel nur Ihn anzubeten und seinen Schöpfer zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen, weil er uns zum Mittelpunkt der Schöpfung gemacht hat. Durch das Fasten kommen wir der Barmherzigkeit Gottes näher. In diesem Monat lernt der Mensch die Gaben und Geschenke Gottes, d.h. seine vollkommene Barmherzigkeit, sein Allerbarmen und seine allumfassende Erziehung besser kennen. Eine vollkommene Erziehung die jeden Bedarf eines jeden Geschöpfs, sei es materiell oder spirituell auf die beste Art und Weise deckt. Die Erde wurde von ihm in Form einer Tafel, eines gedeckten Tisches erschaffen. Es wird somit zu einem Ort der Gaben und Gunstbeweise Gottes. Während wir Fasten und somit uns der Nahrung entziehen sehen wir die Manifestation der Namen „der Allbarmherzige“ und „der Allversorger“ intensiver. Die gesamte Schöpfung wird durch seine Barmherzigkeit und seinem Erbarmen umfangen, insbesondere die ganze Menschheit wird sinnbildlich „umarmt“. Und er macht keinen Unterschied zwischen den Menschen.

Indem wir Ereignisse und insbesondere die Gaben die uns umringen mit der Kausalität erklären, kommt dadurch eine Selbstverständliche und Gewohnte Sichtweise zu Stande. Seit wir denken können sehen wir, dass ein Baum aus der Erde herauswächst und an dem Ast des Baumes die Frucht hängt. Frucht und Baum haben objektiv gesehen keine Ähnlichkeit miteinander. Somit merken wir speziell durch das Fasten, dass diese Gaben nicht gewöhnliche und langweilige Früchte sind, sondern, dass es Kunstwerke sind, die am Baum aufgehängt wurden und uns farbenfroh und wohlschmeckend anlächeln. Es ist eine Einladung des Gastgebers an uns Gästen. Wir werden vom Koran aufgefordert an diesen Zeichen, Kunstwerke Gottes nicht vorbeizugehen und uns nicht davon abwenden, um darüber nachzudenken.

»Und wie viele Zeichen sind in den Himmeln und auf Erden, an denen sie vorbeigehen, indem sie sich von ihnen abwenden!« (Sure 12, 105).

Nursi unterstreicht die Wertschätzung der Gaben wie folgt:

„Wir bezahlen den Menschen, die uns ihre Waren anbieten, einen Preis. Doch welchen Preis verlangt Allah von uns, der doch der wahre Eigentümer der Ware ist?

Antwort: Es sind dies in der Tat drei Dinge, die der wahre Geber aller guten Gaben im Austausch für alle die kostbaren Gnadengaben und Güter als Preis von uns fordert. Erstens: Dhikr (Gottesgedenken), zweitens: Shukr (Danksagung), drittens: Fikr (Nachsinnen).

Am Anfang steht das Gottesgedenken (dhikr) im »Bismillah«. Am Ende steht die Danksagung (shukr) im »Elhamdulillah«. Zwischen den beiden stehen Nachdenken und Begreifen, dass diese kostbaren Gnadengaben, die wunderbare Kunstwerke sind, Geschenke des Erbarmens, und Wunderwerke der Macht des Einen (Ahad) und Absoluten (Samed) sind, bedeutet Nachsinnen (fikr).

Jedoch einem Habenichts die Füße zu küssen, wenn er dir ein kostbares Geschenk eines Königs überbringt und dabei den Eigentümer des Geschenkes nicht zur Kenntnis zu nehmen, was für eine Dummheit wäre das! Genauso wäre es, die äußerlich sichtbaren Spender zu loben und zu lieben, den wahren Geber aber zu vergessen, noch tausendmal törichter als dies.“1

Über solche Dinge einen Augenblick Nachzusinnen, wurde vom Propheten mit einem Jahr Gottesdienst gleichwertig erklärt. Durch die Kontemplation wird der Schleier der Monotonie und Eintönigkeit heruntergerissen. Die Achtlosigkeit vor den Dingen die unser Schöpfer uns gegeben hat wird sichtbar und wir erkennen langsam die Gaben zu schätzen und zu würdigen. Eine Frucht an einem Baum, eine saftige Melone an einem trockenem und kleinem Stiel oder sogar ein trockenes Brot wird zu einem Erlebnis. Das Fasten macht ihm klar, welche Bedeutung Gottes Gaben haben. Wir sollen damit zu Frieden und Glücklich sein was uns vergönnt ist. 

  1. Nursi: Worte (o. J.), S. 10 f.